Nutze die Fantasie: Geschichten als gemeinsames Spiel in der Familie

Nutze die Fantasie: Geschichten als gemeinsames Spiel in der Familie

In einer Zeit, in der Bildschirme oft den Alltag bestimmen, kann es wohltuend sein, sich auf etwas so Einfaches wie das gemeinsame Erzählen von Geschichten zu besinnen. Geschichten zu erfinden ist nicht nur unterhaltsam – es stärkt auch das Miteinander, die Kreativität und die Fähigkeit, einander zuzuhören. Wenn Familien gemeinsam erzählen, entsteht ein Raum, in dem Fantasie lebendig wird und alle mitgestalten dürfen.
Warum gemeinsames Erzählen verbindet
Wenn Eltern und Kinder zusammen Geschichten erfinden, entsteht eine besondere Nähe. Statt fertige Geschichten aus Filmen oder Computerspielen zu konsumieren, werden alle selbst zu Schöpferinnen und Schöpfern einer eigenen Welt. Kinder erleben, dass ihre Ideen zählen, und entwickeln dabei sprachliche und soziale Kompetenzen. Erwachsene wiederum entdecken oft ihre eigene kindliche Fantasie neu – und sehen die Welt für einen Moment mit anderen Augen.
Geschichten können auch helfen, Erlebnisse zu verarbeiten. Ein Kind, das sich in der Schule geärgert hat, kann vielleicht von einem mutigen Drachen erzählen, der eine schwierige Situation meistert. So wird das Erzählen zu einem geschützten Raum, in dem Gefühle und Gedanken Ausdruck finden dürfen.
So gelingt der Einstieg
Man braucht weder besondere Begabung noch Vorbereitung, um anzufangen. Wichtig ist vor allem, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle trauen, Ideen einzubringen. Hier sind einige einfache Möglichkeiten:
- Beginnt mit einem „Was wäre, wenn…“ – zum Beispiel: „Was wäre, wenn unser Hund plötzlich sprechen könnte?“ oder „Was wäre, wenn wir eines Morgens in einem Schloss aufwachen?“
- Lasst euch von Gegenständen inspirieren. Sucht drei Dinge im Raum – etwa einen Löffel, einen Stein und eine Mütze – und baut sie in die Geschichte ein.
- Erzählt abwechselnd. Eine Person beginnt, die nächste führt fort. So entstehen überraschende Wendungen und viel Gelächter.
- Schafft kleine Rituale. Vielleicht zündet ihr eine Kerze an, wenn die Geschichte beginnt, oder ihr habt einen „Erzählhut“, den jeweils die Person trägt, die gerade spricht.
Das Wichtigste ist, dass es sich wie ein Spiel anfühlt – nicht wie eine Aufgabe.
Geschichten im Alltag
Geschichten müssen nicht lang oder aufwendig sein. Sie können ganz spontan entstehen – auf dem Weg zur Schule, beim Abendessen oder vor dem Schlafengehen. Eine einfache Frage wie „Was macht der Mond, wenn wir schlafen?“ kann schon der Anfang einer wunderbaren Erzählung sein.
Wer Inspiration braucht, kann kleine Hilfsmittel nutzen: Bildkarten, Würfel mit Symbolen oder Apps, die zufällige Begriffe liefern. Doch am lebendigsten werden Geschichten, wenn sie aus eurer eigenen Fantasie entstehen.
Wenn Erzählen zur gemeinsamen Spielwelt wird
Oft entwickeln sich Geschichten weiter – in Zeichnungen, kleinen Theaterstücken oder gebauten Kulissen aus Kissen und Decken. So wird das Erzählen zu einem sinnlichen Erlebnis, bei dem alle mitmachen können, egal wie alt sie sind.
Für jüngere Kinder reicht es manchmal, bekannte Geschichten leicht zu verändern. Ältere Kinder haben Spaß daran, längere Erzählungen fortzusetzen – vielleicht sogar über mehrere Tage hinweg. Manche Familien schreiben ihre Geschichten auf und gestalten daraus ein eigenes „Familienbuch“.
Eine Tradition, die verbindet
Das gemeinsame Erzählen kann zu einem festen Bestandteil des Familienlebens werden – als wöchentlicher „Geschichtenabend“ oder als ruhiger Moment vor dem Schlafengehen. Mit der Zeit entstehen kleine Fantasiewelten, die Teil eurer gemeinsamen Erinnerung werden.
Beim Erzählen geht es nicht um Perfektion, sondern um das gemeinsame Erleben. Wenn ihr zusammen Fantasie nutzt, lernt ihr, zuzuhören, aufeinander einzugehen und über das Unerwartete zu lachen. Und genau darin liegt die Magie – eine Geschichte, die ihr gemeinsam schreibt.











